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14.11.2019

Politischer Martini Ernst-Ulrich von Weizsäcker begeistert Publikum

J. Münster (TNS)

Gute Stimmung in vollem Saal: Ernst-Ulrich von Weizsäcker, Carla Bregenzer, Nils Schmid und Rainer Arnold (am Tisch v.l.).

Nach dem großen Zuspruch im Vorjahr der Nürtinger Bundestagsabgeordnete Nils Schmid lud zum zweiten Mal zum Politischen Martini nach Wolfschlugen ein. Der Einladung ins Gasthaus Rössle folgten 135 Besucher, die neben dem traditionellen Gänseessen und Geselligkeit vor allem auch gekommen waren, um der Festrede des Ehrengastes zu lauschen.

Zweiter Politischer Martini in Wolfschlugen mit 135 Besuchern

Der ausgewiesene Klimaexperte Ernst-Ulrich von Weizsäcker ging vor dem Essen in seinem Beitrag auf die globalen Herausforderungen in Zeiten des Klimawandels ein. Mit fachlicher Expertise zeigte er die aktuelle Situation auf und legte dar, was seines Erachtens notwendig ist, um die Erwärmung unserer Erde zu begrenzen. Besonders betonte der Ehrenpräsident des Club of Rome dabei, wie wichtig es ist, die Entwicklungsländer mit in die Klimapolitik einzubeziehen. Ohne eine globale Perspektive würden die Klimaprobleme nicht gelöst, so der Gastredner. So würden 90 Prozent der neuen Kohlekraftwerke in Entwicklungsländern gebaut. Von Weizsäcker setzt sich für einen Budgetansatz und weltweiten Emissionshandel ein. „Dann würde der indische Wirtschaftsminister Shri Piyush Goyal auf einmal statt auf neue Kohlekraftwerke auf erneuerbare Energien und Effizienz setzen und wertvolle CO 2 Lizenzen nach Europa verkaufen. Das wäre sensationell!“, so der Gastredner. Natürlich ging der SPD-Politiker auch auf die aktuelle Lage seiner Partei ein, warnte aber vor einfachen Antworten. Einerseits sieht er die schwierige Lage zum Teil im Erfolg der sozialdemokratischen Idee begründet. „Das Sozialgesetzbuch besteht in Wirklichkeit aus 12 Büchern. Es ist riesig und wirksam. August Bebel würde beim Lesen Tränen der Rührung vergießen!“, betonte er. Die Sozialdemokratie müsse zwar auch Nachjustierungen in der Sozialpolitik vorantreiben, sich aber viel mehr wieder programmatisch den Zukunftsfragen widmen, die vornehmlich international und nicht national gedacht werden müssten, wie bei Klima, Finanzmärkten und Technologiebewusstsein. Einfachen Erklärungen wie die Schuld nur bei einzelnen Personen oder der Großen Koalition zu suchen, erteilte er eine Absage, weil diese zu kurz griffen. Auch Nils Schmid warb für eine differenzierte Betrachtung des Regierungsbündnisses und der Vorhaben, die umgesetzt werden können. Dass man jetzt wichtige Vorhaben auch mit Kompromissen beschließe und gleichzeitig weitergehende Ziele habe, sei kein Widerspruch. „Was wir jetzt mit der Union nicht umsetzen können, setzen wir mit einer anderen Mehrheit um. Das muss doch der Anspruch sein!“, so der Bundestagsabgeordnete.

Den Sonntagmittag ausklingen ließen die Gäste und der Abgeordnete mit dem traditionellen Martinsessen und angeregten Gesprächen. „Schon jetzt freue ich mich auf den dritten Martini im nächsten Jahr“, sagte Nils Schmid zum Abschluss.